Tarifrunde der IG Metall 2022: Hohe Lohnforderung und kürzere Arbeitszeiten!

Die Tarifverträge für die Metall- und Elektroindustrie laufen Ende September 2022 aus. Am 28. Oktober endet die Friedenspflicht. Die Diskussion über die Forderungen laufen. Ende Juni sollen sie in der Großen Tarifkommission beschlossen werden.

Die ersten Rufe nach Verzicht auf höhere Löhne von Seiten des Kapitals wegen des Krieges in der Ukraine sind bereits zu hören und sollen die Forderungen und Erwartungen der KollegInnen nach unten drücken. Das Zukunftsforum Stuttgarter Gewerkschaften und der Metallertreff halten dagegen und wollen mit euch in die Diskussion kommen. Angesichts der Reallohnverluste in den letzten beiden Jahren, der extrem hohen Inflation bei gleich-zeitig hohen Unternehmerprofiten halten wir eine offensive Tarifrunde für dringend notwendig

Südwestmetall-Chef Wilfried Porth: „Das heißt, wir werden als Gesellschaft Einschnitte in den gewohnten Wohlstand akzeptieren müssen. Das wird die Menschen unterschiedlich, aber alle in irgendeiner Form treffen.“
Der Einzelhandel in Deutschland erwartet drastisch steigende Lebensmittelpreise. Der Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE) Josef Sanktjohanser prognostiziert Preissteigerungen von mindestens zehn Prozent.

Wenn die nächste Tarifrunde im Herbst 2022 beginnt, war die letzte Tabellenerhöhung 4 ½ Jahre her. Viele der vereinbarten Sonderzahlungen wurden nicht ausbezahlt, weil Ausstiegsklauseln vereinbart wurden, die dem Kapital Verschiebung und Nichtauszahlung ermöglichten, was reichlich ausgenutzt wurde. Viele Kolleg*innen waren außerdem in Kurzarbeit oder hatten Arbeitszeitabsenkungen ohne Lohnausgleich. Viele – insbesondere Frauen – haben wegen notwendiger Kinderbetreuung während der Lockdowns ihre Arbeitszeit reduzieren müssen und hatten dadurch weniger Einkommen.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen, der hohen Preissteigerungsrate (im März bei über 7 % mit weiter steigenden Prognosen), den durch die Decke schießenden Energie- und Lebensmittelpreisen, den hohen Miet-steigerungen, sowie 4 ½ Jahre ohne Tabellenerhöhungen – braucht es dringend eine hohe Lohnforderung, am Besten als Festgeldforderung oder Mindestbetrag, da in den unteren Lohngruppen die Einbußen wesentlich höher waren, wie mehrere Studien belegen.

Arme Haushalte geben einen großen Teil ihres Einkommens für Miete, Gas, Strom und Lebensmittel aus, also für Dinge mit hohen Preissteigerungsraten. Klar ist: Eine 5%-Forderung wie in vergangenen Jahren wird nicht reichen! Eine Forderung in Höhe von ca. 10 % des Facharbeiterecklohns ist notwendig. Das wären als Festgeld rund 350 Euro bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Damit könnten Reallohnsenkungen der vergangenen Jahre und die hohe Inflation einigermaßen ausgeglichen werden. Diese Forderung wollen wir zur Diskussion in die Vertrauensleutestrukturen einbringen.

Wir sind gegen eine Verschiebung der Tarifrunde oder sogenannte Brückenlösungen. SWM-Chef W. Porth schlägt vor, den Tarifvertrag nicht zu kündigen und jammert über die schwierige Lage, die Auswirkungen der hohen Inflation und der Kriegsfolgen auf die Unternehmen. Aber jammern sie nicht immer? Mal ist es die Pandemie, mal die höheren Produktionskosten, mal dies, mal das. Aber Profite und Dividenden steigen – auch in der Pandemie sind sie gestiegen. Dem Kapital geht es auch in Krise, Pandemie und Krieg um die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums und zwar von unten nach oben – sie sind die Krisenprofiteure. Im vergangenen Jahr haben sich die Vermögen der zehn reichsten Personen in Deutschland von 144 Milliarden Dollar auf etwa 256 Milliarden erhöht.

IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger: „Wir sind erfahren genug, wie etwa 2020 den Schalter umzulegen und eine tarifpolitische Brückenlösung zu finden.“ „Nein Kollege Roman. Wir wollen keine Brückenlösung. Wir brauchen nach 4 ½ Jahren ohne tabellenwirksame Lohnerhöhung endlich wieder mal eine ordentliche Lohnerhöhung, keine Einmalzahlungen, sondern jeden Monat brauchen wir mehr in die Tasche. Geld ist genug da!“
Hohe Profite trotz Pandemie

Mercedes-Benz Group: Gewinn 2021: über 14 Mrd. Euro – eine Verdoppelung zu 2020 – Umsatzrendite: 12,7 %. Dividende: 5 Euro pro Aktie, fast das 4 fache wie für 2020 (1,35 Euro)

Porsche: Gewinn 2021: 5,3 Mrd. Euro, eine Steigerung um 27 %, Umsatzsteigerung: 15 %. Dividende: 2,56 Euro je Aktie. Porsche-Chef Oliver Blume bezeichnete das vergangene Jahr als „das erfolgreichste in der Geschichte von Porsche“.

Bosch: Gewinn 2021: 3,2 Mrd. Euro, 60 % mehr als 2020, Umsatz: 78,8 Mrd. Euro – 10 % mehr als 2020

Flyer zum Herunterladen (mit weiteren Artikeln zu Arbeitszeitverkürzung, Kampfmöglichkeiten, Solidarität mit SuE-Tarifrunde….) hier:

Flyer TR IGM 2022 Nr 1

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