Veranstaltung am 4.Mai: Lohnfortzahlung bei Krankheit – Der längste Arbeitskampf feiert 70 jähriges Jubiläum

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann, war in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts bittere Realität. Wenn ein Arbeiter krank wurde, bekam er erst mal kein Geld. Erst nach Ablauf der sogenannten Karenztage erhielt er Krankengeld. Angestellte hingegen bekamen ab dem ersten Krankentag Geld. Die sogenannten Karenztage wurden mit dem Mythos begründet, der Arbeiter sei seinem Wesen nach undiszipliniert und faul. Arbeiter würden dann massenhaft der Arbeit fernbleiben, so die Argumentation der Bosse. Doch 1956 entwickelte sich gegen diese Ungleichbehandlung Widerstand. Am 24.Oktober 1956 begann einer der längsten Streiks in der Geschichte der Bundesrepublik. Er dauerte 114 Tage.

Von Beginn gab es großen Druck durch den Gesamtverband der Metallindustriellen, der einen Präzedenzfall befürchtete und vor allem die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verhindern wollte. 18.000 Kollegen bei fünfzehn Werften und Maschinenbaubetrieben traten in den Streik. Bis Januar 1957 wuchs die Zahl der bestreikten Betriebe auf 38 und die Zahl der streikenden Arbeiter auf rund 34.000. Drei Schlichtungsangebote lehnten die Streikenden ab, das erste Angebot mit 97 %. Auch der nächste Vorschlag wurde mit 76 % abgelehnt. Nach 14 langen Wochen Streik erschien das Angebot als zu dürftig. Erst nach einer erneuten Nachbesserung kam in der Urabstimmung die notwendige dreiviertel Mehrheit für eine Fortsetzung des Streiks nicht mehr zustande. Die erbitterte und längste Tarifauseinandersetzung der deutschen Geschichte endete am 15. Februar 1957. Sie lieferte den Durchbruch in der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Es wurde ein Grundstein für die heutigen tarifvertraglichen und gesetzlichen Regelungen gelegt.

Vor 30 Jahren erfolgte dann ein erneuter Angriff auf die Entgeltfortzahlung. Das Lohnfortzahlungsgesetz der CDU-SPD-Regierung von 1969 wurde 1996 durch die CDU-FDP-Regierung unter Helmut Kohl geändert. Der Anspruch auf 100 % des Entgeltes wurde gekippt, nur noch 80 % sollte bezahlt werden. Es kam zu heftigen Protesten. Etwas abgemildert wurde die Schlechterstellung der Lohnabhängigen dadurch, dass viele Tarif-verträge eine 100prozentige Lohnfortzahlung vorsahen. Aber auch die wurden unter Beschuss genommen. Der damalige Chef von „Gesamtmetall“ Werner Stumpfe forderte die Mitgliedsbetriebe auf, die bestehenden Tarifverträge zu ignorieren und vom 1. Oktober an kranken Mitarbeitern den Lohn um 20% zu kürzen. Dem folgten nicht nur die Metallkapitalisten. Erst durch massiven Widerstand, der Verweigerung von Überstunden, mit Unterschriftensammlungen und Streiks konnte dieser Angriff abgewehrt werden. Kämpfen lohnt sich!

Auch jetzt gibt es wieder Angriffe auf die Lohnfortzahlung. Es sollen wieder Karenztage eingeführt sowie das Krankengeld gekürzt werden.

Wir diskutieren mit Klaus Zwickel über die Erfahrungen in diesen Kämpfen, was wir daraus lernen können und wie wir die neuen Angriffe auf die Lohnfortzahlung abwehren müssen.

Montag, 4. Mai 2026 um 18 Uhr im Gewerkschaftshaus, Willi-Bleicher-Straße 20, EG, Bambussaal

mit Klaus Zwickel, ehemals Vorsitzender der IG Metall

Veranstalter:
Zukunftsforum Stuttgarter Gewerkschaften, Metallertreff, DIDF (Föderation Demokratischer Arbeitervereine) Stuttgart

Flyer:

Einladung ZuFo 04052026 Lohnfortzahlung

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